DES FUTURES RUINES, POUSSE LA VIE
Aus den zukünftigen Ruinen, wächst das Leben
Siebdrucke von Studio Miammmiam
Miammmiam zeigt seit nunmehr 10 Jahren bei uns im Supalife Kiosk ihre von Hand angefertigten Siebdrucke. Wer schon einmal bei uns war, wird ihre Tierdarstellungen mit Sicherheit gesehen haben. Als Vorlage dienen mit Pinsel gemalte Schablonen auf Transparentpapier, welche auf das Sieb belichtet und anschließend mit der jeweiligen Farbe auf das Papier gesiebdruckt werden.
In ihren Darstellungen finden sich ausschließlich Tiere, die oft in spielerischer Weise miteinander in Beziehung treten. Es sind liebevolle, kindliche Bildwelten, getaucht in leuchtend, kräftige Farben. Neben diesen verschmust, friedvoll und harmonischen Szenerien, gibt es auch eine Reihe von Bildmotiven, in denen Tiere vermenschlicht oder besser: Menschen vertierlicht werden. Diese Totemtiere bewegen sich wie wir, ganz gewöhnlich im urbanen Raum: auf einem Wochenmarkt flanierend oder am Spreeufer sitzend und feiernd. Es sind, vielleicht und wenn man will, in schamanistischer Tradition, spirituelle Begleiter, sichtbar geworden im Alltag einer Großstadt, die uns unterstützend auf unserem Lebensweg dabei helfen können, Stärken zu erkennen, Schwächen zu verstehen und Herausforderungen zu meistern.
Häufig finden sich aber auch Bildmotive mit Verweisen auf eines der größten globalen Probleme, wie beispielsweise bei der Darstellung eines verwaisten, traurigen Eisbären inmitten eines feucht-tropischen Regenwaldes. Und es ist eben nicht die anklagende Form die sie wählt, um Kritik am menschlichen Vergehen an Natur und Umwelt zu äußern. Die Besonderheit liegt hier vor allem in einer anteilnehmenden Geste sich in die Gefühle der Tiere hineinzuversetzen.
So auch bei ihren neuesten Siebdrucken, welche sie in der aktuellen Ausstellung zeigt. Das Sujet ist immer gleich – die Fassade eines Plattenbaus. Davor streifen jeweils immer andere Tiere einsam an dieser menschenverlassenen Siedlung vorbei. An Füchse haben wir uns längst gewöhnt, aber große Raubkatzen mit ihren Jungen und eine Leopardenfamilie in einem Wohngebiet bleiben uns realitätsfern.
Nehmen wir aber ihren Ausstellungstitel wörtlich und entdecken bei genauer Betrachtung im Bild mit der Leopardenfamilie die großen Sanddünen oder bei der großen Raubkatze die überflutete Straße, dann könnte man auch meinen, dass wir uns bei fortschreitender Klimaerwärmung in einer zukunftsnahen, verwilderten Stadtlandschaft wiederfinden.
Doch Julie wählt nicht die Dystopie als Endpunkt für eine menschengemachte Geschichte der Überheblichkeit. Die Zuversicht bleibt, indem sie hoffnungsvoll die wilde Natur wieder an den Anfang nach dem Ende einer ruinierten Welt setzt.
DES FUTURES RUINES, POUSSE LA VIE
Studio Miammmiam
Vernissage: Samstag, 27. Juni, ab 19 Uhr
Ausstellung bis 8. August 2026
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